16. Juni 2026
Was ist interkulturelle Kommunikation?
Wenn sie den Begriff „Interkulturelle Kommunikation“ lesen oder hören, denken manche Menschen an die sprachliche Verständigung unter oder mit Menschen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist und die aus unterschiedlichen Ländern stammen oder zugewandert sind. Das ist nicht ganz falsch. Es ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich ist der Begriff viel weiter und viel umfassender zu verstehen, und so müssen wir uns seinen Bestandteilen, dem „Interkulturellen“ und der „Kommunikation“ etwas genauer widmen.
Beginnen wir mit der „Kommunikation“, so gibt es zwei Deutungsebenen. Die erste Ebene ist die, dass Kommunikation allgemein als Austausch zwischen zwei oder mehr Beteiligten verstanden wird. Dieser kann verbal oder nonverbal, z.B. mittels Gestik oder Mimik erfolgen, und auch paraverbale Aspekte wie die Stimmlautstärke oder das Sprechtempo und ebenso außersprachliche Aspekte wie der Ort, Räumlichkeiten, Temperatur, Gerüche oder Kleidung entscheiden mit in der Frage, wie Botschaften vermittelt und verstanden werden. Eine wichtige Rolle spielt zudem, ob jemand direkt oder eher indirekt kommuniziert, also „Klartext redet“ oder lieber „durch die Blume spricht“. Nicht zuletzt ist auch die Orientierung entscheidend, ob jemand also mehr den Fokus auf die Orientierung an der Person legt oder eher auf die Sache, ob es also mehr darum geht, eine möglichst harmonische Beziehung zum Gegenüber herzustellen oder um die Sache. All dies leben Menschen sehr unterschiedlich, und je nach Kontext können unterschiedliche Kommunikationsformen gewählt werden. Da die Codes jedoch nicht zwangsläufig dieselben sind, kann es zu Missverständnissen kommen, was die beruflichen oder persönlichen Beziehungen unter Umständen stark belastet.
Die zweite Deutungsebene von Kommunikation ist weiter gefasst: Ausgehend vom lateinischen communicare, das so viel wie „etwas gemeinsam tun“ bedeutet, beschränkt sich Kommunikation nicht auf das Austauschen von Botschaften, sondern betont vielmehr das Gemeinschaftliche, das Schaffen von Neuem im gemeinschaftlichen Prozess. Bereits hier wird die Verbindung von Kommunikation zum Dialogischen deutlich, denn hier spielen das Zuhören, das Verstehen, das Aushandeln und das Finden einer gemeinsamen Ebene eine zentrale Rolle.
Damit wären wir auch schon bei der „Interkulturellen Kommunikation“ und beim Begriff „interkulturell“, der vielfältig gedeutet und besetzt wird und dies vor dem Hintergrund, dass die Vorstellungen davon, was denn „Kultur“ sei, sehr unterschiedlich ausfallen in der Gesellschaft und der öffentlichen Debatte, aber auch in der Wissenschaft darüber verschiedene theoretische Ansätze und Herangehensweisen existieren. Ein umfassender Ansatz im Kulturverständnis wurde in der Interkulturellen Kommunikationswissenschaft, die selber eine Schnittstellendisziplin ist, von dem Jenaer Professor Dr. Jürgen Bolten entwickelt und geprägt. Demnach ist „Kultur“ kein in sich geschlossener Container, wie dies etwa bei der Gleichsetzung mit Nation oder einer bestimmten Herkunft der Fall ist. Vielmehr ist Kultur im Sinne von Lebenswelten zu verstehen, denen Menschen sich zugehörig fühlen, multipel, fließend und prozesshaft. Kulturen sind damit „fuzzy cultures“, in denen Strukturen und Prozesse zusammenwirken und Binaritäten und Gegensätzlichkeiten aufgelöst sind. „Interkulturelle Kommunikation“ bedeutet in diesem Sinne, dass Menschen aus unterschiedlichen lebensweltlichen Kontexten eine Verbindung, einen gemeinsamen neuen Raum schaffen in Form eines expliziten und bewussten Prozesses des Aushandelns, dessen Ergebnis ein synergetisches Drittes, eine „Interkultur“ ist, die wiederum flüchtig ist und permanent neu erzeugt wird.
Interkulturelle Kommunikation betont somit das Gemeinsame und das Schaffen eines solchen im Rahmen eines sich immer wieder erneuernden Prozesses. In meiner Arbeit ist Interkulturelle Kommunikation die Grundlage und das Ziel. Die zentrale Frage ist: Wie können Menschen in vielfältig zusammengesetzten, in internationalen Teams gut miteinander klarkommen und interagieren? Gemeinsames schaffen, Neues aushandeln und dabei wirklich zuhören, bewusst sprechen und zugleich anderen Wahrnehmungen und Denk- und Handlungsweisen Raum geben – das nenne ich das Entwickeln echter Dialogstrukturen. Mit meiner Internationalen Dialogentwicklung unterstütze ich Unternehmen und Organisationen in genau diesem Prozess.
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